Freitag, 21. Juli 2017

Editorial 120

Liebe Leserinnen und Leser,

was für ein Glück, es ist nichts passiert. Still ruht der See … Ich fand es schon ziemlich traurig, hier in mehreren Edis Weggefährten zu verabschieden. Ich weiß, das ist der Gang der Dinge, schließlich altert die altbekannte Szene. Zum Glück gibt’s genügend Fohlen auf der Wiese, so dass nicht zu befürchten ist, dass unsere Spielwiese irgendwann leer ist.

Und die reale Welt, was ist mit der nur aktuell los? Gut, dass wir unsere eigenen Welten haben. Wir können den Mars terraformen, wir können auf dem Great Western Trail reiten oder aber über die Nordsee schippern, um die Klöster und Festungen unserer Nachbarn ordentlich zu plündern. Aha, die böse Welt gibt’s auch im Spiel … schon ewig, also kein Grund zur Aufregung. Nun hat sogar die einzig wahre Jury der bösen Welt Einlass gewährt. Aber wen kümmert das schon?! Da draußen, außerhalb meines Stalles, jenseits unserer Spielwiese geht’s so kurios rund wie schon ewig nicht mehr. Wie schön wär's, wenn wir alle an einem Strang und alle Karren aus dem Dreck ziehen würden und friedlich miteinander umgingen. Aber die Weltuntergangsapologeten sind allerorten an entscheidende Stellen gewählt worden.

Ist schon länger her, da hatte ich einen ganz verantwortungsvollen Posten inne. Ich war der Chefhengst, hatte alle anderen bis auf eine Stute platt gemacht. Ich war der Größte, der Schönste, der … Chef der Junta. Eben jener JUNTA aus dem gleichnamigen Spiel. Ich war der Held meines Stalles. Ich fühlte mich sofort great, großartig, unbesiegbar. Warum sollte ich Heu und Futtermöhren mit irgendwem teilen? Die Herde lag unter meinen Hufen. Nach jedem Putsch landen unliebsame Konkurrenten irgendwann doch vor dem Stall, wenn nicht sogar beim Abdecker. Weg mit den Verbündeten!


Und warum entrüstete sich meine Herde über die Zwangsläufigkeit meines konkludenten Handelns? Macht man doch so … in jedem Stall der Welt. Warum fallen all die Loser über mich her? The winner takes doch alles. Außerdem ist JUNTA doch nur ein Spiel … das ich dann am Ende mit Pauken und Trompeten verloren habe. Kriegte einfach kein' Huf mehr auf den Boden.
Was ich damit sagen will: Nach dieser Partie JUNTA war ich unten durch, so unten durch wie lange nicht und sogar noch länger. Ich weiß jetzt: Man muss nicht alles tun, was möglich ist. Diplomatie ist alles, gerade wenn man auf die Herde als Mitspieler angewiesen ist. Hat verdammt lange gebraucht, bis ich mein Image aus dieser einen Partie wieder los geworden bin. Aber es soll in der Welt jenseits unserer überschaubaren Spielwiese Hengste geben, denen das völlig egal ist. Diese Hengste haben offensichtlich vergessen, dass eine Leitstute in der Herde die Hosen an hat.

In Spielekreisen erlebe ich manchmal, dass Mitspieler zu Mistspielern mutieren. Und das nicht nur als Tippfehler. Es gibt da so Menschen, die schaffen es einfach, immer die fiesesten Züge zu machen und das auch noch entsprechend zu kommentieren. Ist doch möglich, alles ganz legal. Klar, aber man muss ja nicht noch sarkastische Sprüche bringen, den Finger noch extra in die Wunde legen.

Wer spielt schon gerne mit Mitspielern, die auch noch nachkarten oder Züge zurücknehmen wollen? Oder naiv heraus posaunen: „Och, diese Regel kannte ich aber nicht!“ Die ewig nachdenken müssen, um das allerletzte Siegpünktchen aus dem Spiel zu quetschen? Die nur verlieren, weil alle gegen sie sind. So ein Verhalten schaue ich mir nur ein Mal an, dann bleibt für Mistspieler nur noch der Platz auf dem … unser aller Pferdeäppel landen. Außer natürlich, ich mach' das selbst. Ich darf das ...
Jedes halbwegs gut erzogene Pferd erkennt, dass Rüpelei und rücksichtsloses Agieren durchaus negative Langwirkungen hat. Irgendwann steht man isoliert da und wird sich möglicherweise brüllend bei seiner Mama beschweren: „Mit mir will keiner mehr spielen!“ Und dass sich ein Idiot selbst als Idiot wahrnimmt, kommt ja leider selten genug vor. Eigentlich darf man damit auch erst gar nicht rechnen.

Genug gemosert. Ich hab' begriffen, dass es ohne Rücksicht gar nicht geht. Ich spiele weiter, mit allen Pferdchen der Herde … in meinem netten kleinen Stall hier. Ich muss ja auch noch ein paar Spiele spielen, denn die Abstimmung zum Deutschen Spiele Preis läuft noch bis zum 31. Juli. Die Postkarte im Heft haben Sie natürlich schon gesehen, ausgefüllt und zurück geschickt. Nur für den Fall, dass Sie ein Jungfohlen sind. Es geht auch übers Internet.

Ihr einzig wahrer Ex-Junta-Chef

Hold On Harry

Samstag, 8. Juli 2017

Fairplay 120 - Juli bis September 2017

Kommentare, Reportagen und mehr
  • Spiel des Jahres, Nomierte und Empfehlungsliste
  • Dicey Food: Crazy Race, Fantahzee, Garden of Minions, Mistkäfer, Noch mal!, ¡No Siesta!, Qwixx - das Duell, Raffzahn
  • Zurück auf der Flucht
  • Nach dem Exit ist vor dem Escape
  • Fehlerteufel - Mea Culpa
Kritiken
  • Railroad Revolution
  • Wettlauf nach El Dorado
  • Aufbruch zum Roten Planeten
  • Saltlands
  • Kneipen Quiz - Das Original
  • Valletta
  • Legenden von Andor 3
  • Pandemic - Schreckensherrschaft des Cthulhu
  • Magic Maze
  • Die Baumeister des Colosseum
  • Reise um die Erde
  • Donkey Derby
  • Oceanos
  • The Arrival
  • Im Wandel der Zeiten - Das Kartenspiel
  • Mein Traumhaus
Interviews
  • Andor Fan-Legenden Fans über ihre Legenden
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Rückblick Fairplay 41
  • Fast Food (aufgewärmt): Weltausstellung 1893, Diamant, For Sale, Game of Quotes
  • Kinderportion: BAAAAA!, Kakerlakenduell
  • à la carte: Pungi, Scotland Yard, Das Vermächtnis des Maharaja, Santo Domingo, Gho...Gho...Ghosty
  • Preisrätsel
  • Legepuzzles aus wenigen Teilen
  • Wir spielen gern ...
  • Bestenliste
  • Noten

Freitag, 28. April 2017

Rückblick: Fairplay 40 - 10 Jahre

Jetzt weiß ich es genau! Wenn wir in Heft 40 unser 10-jähriges Jubiläum begangen haben, dann haben wir dieses Jahr in Essen unser 30-jähriges Jubiläum. Menschenskinder … jetzt kommt normalerweise der Spruch mit der Zeit. Denn das 30-jährige Jubiläum habe ich bis zur Messe längst wieder vergessen.

Immerhin spendieren wir unserem 40. Heft drei Farbseiten. Hätten es nicht vier sein müssen? Wer hat denn da einen Bock geschossen, denn vier Seiten passen doch auf eine Druckplatte. Das ist auch der Grund für 16 Farbseiten in diesem Heft. Dass wir noch nicht vollfarbig sind, hat seinen Grund in unserer Druckerei. Das ist nicht irgendeine Druckerei, die irgendwo sitzt und irgendwo anders billig druckt. Wir drucken immer noch in Bethel, damit Menschen mit Handicap sinnvolle Aufgaben haben. Und für die Druckerei in Bethel lohnt sich eine Vierfarbdruckmaschine eben nicht, weil die Plattenentwicklung extern zugekauft werden muss.

Schauen Sie sich ruhig die drei Farbseiten genauer an. Den vierfarbigen Comic mit Boris, Steve, Prof und natürlich Harry beim BIG BANG spielen. Keine Theorie, sondern viel Geschick ist da gefragt. Und auch die Portraits der damaligen Redakteure. Heute haben nur noch die Damen und Peter Nos so viele Haare. Und noch eine Seite für DRAGONMASTER. Das sollte wohl noch einmal gehypt werden, ist aber bis heute nicht auf Deutsch erschienen. Immerhin hat uns ein Leser per Brief mitgeteilt, dass DRAGONMASTER sich prima auch mit WIZARD-Karten spielen lässt. Da muss auch niemand mehr um ein „besseres Exemplar“ betteln, wenn man WIZARD für kleine Kasse kaufen kann.

Unser damaliges Jury-Mitglied nutzt die Gunst der Stunde nach der Nennung der ausgewählten Spiele, um MISSISSIPPI QUEEN zu zerreißen, sich erst gar nicht in seichte Gewässer zu begeben. Warum hat er sich bei seinen Jury-Kollegen nicht durchgesetzt? Im Nachhinein hat unser Mann natürlich recht, denn das Spiel ist auf lange Sicht schwach, sogar sehr schwach. Damals habe ich das aber anders gesehen. Ich war jung, ich kannte nix und liebte jedes Spiel, fand deshalb die kleinen Mississippidampfer und das variable Spielfeld toll. Immerhin konnte ich die Erweiterung THE BLACK ROSE für 'ne hübsche Mark verkaufen.

Immerhin BOHNANZA und LÖWENHERZ kommen gut weg, haben heutzutage noch Qualitäten, BOHNANZA sowieso. Momentchen, BOHNANZA hat doch dann auch dieses Jahr GeBOHNstag. 20 Jahre ... Kinder, wie … Sie wissen schon was … vergeht. Über den Rest der Spiele schweige ich stille, nur HASTE WORTE darf aus der Versenkung auftauchen. „Dem Doktor sein Vergnüngen“ (sic) ist mir immer noch peinlich.

Über den Konkurs von Schmidt Spiele gab's einige Spekulationen. Nicht, dass wir die teils sehr lieblosen Schmidt Spiele vermisst hätten, aber wie kann sich ein Traditionsverlag so abservieren? Münchens Schmidt ging an Blatz in Berlin, und aus Blatz wurde Schmidt Spiele. Und wie sagte ein Berliner noch: „Und das ist auch gut so!“ Schmidt Spiele haben schließlich deutlich gewonnen.

In der Nummer 40 gibt’s auch einen Leserbrief, in dem uns ordentlich die Leviten gelesen werden. Die Redaktion regiert gestern wie heute: Es fruchtet nix. Ob sich unser Eindruck von Franken und den Franken geändert hat? Selbstverständlich!!! Ich will schließlich nicht einen Shitstorm triggern. Leserbriefe mit Nennung von Ross und Reiter gibt’s ja heute gar nicht mehr. Heute wird zurück getwittert.

Apropos Internet: In der längst gestorbenen Rubrik „Kurz berichtet“ erwähnen wir Knut Michael Wolfs Internetspielplatz. Die Lange URL würde hier jetzt den Rahmen sprengen. Außerdem wissen wir alle, was aus dem Spielplatz am Ende geworden ist.

Herbert im Heft 40

...über spielerische Mühsal:
„Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit Ralf E. Kahlert tagelang Fußballspiele getestet habe, bis wir so ausgelaugt aussahen wie Fifa-Offizielle.“
...  über den erforderlichsten Charakterzug:
„Vermutlich gehört eine gewisse Leidensfähigkeit zu den hervorstechenden Eigenschaften der Fairplay-Redakteure.“

Freitag, 7. April 2017

Editorial 119

Liebe Leserinnen und Leser,

kaum übernimmt ein Neuer das Ruder, schon ändert sich alles: Logo, Name, Inhalt, Layout, Struktur. Und die Leserinnen und Leser müssen sich anpassen. Was für'n Chaos! Ist alles Neue wirklich besser? Und wer nicht mit will, wendet sich eben ab. Auf den World Wide Wiesen wechseln ganze Herden ganz schnell. Und tschüss … Schon findet sich eine neue Herde. Vielleicht auch eine neue Wiese, von der keiner verwiesen oder weggebissen wird. Auf manchen Wiesen geht es mir sogar als altgedientem Hengst viel zu rüde zu.

Überall erscheint in letzter Zeit Neues. Bei den Verlagen sind das vorzugsweise Exit-Spiele. Spiele, die man genau ein Mal spielen kann, genau einmal bis ins Letzte ergründen muss. Und oh Wunder, Spielprinzip und Vermarktung funktioniert. Exit-Spiele haben ihren ganz eigenen Reiz, wenn man denn alle Rätselhürden nimmt. Andernorts nimmt die Vielfalt zu. Mit viel Elan starten immer neue Blogs, teils interessant, teils recht traditionell. Manche verschwinden früher oder später, manche werden sich halten. Für jeden ist da ein Plätzchen, keine Wiese zwar, eher der Reihenhausvorgartenrasenspielplatz.

Fühlen Sie sich auf unserer Wiese wohl? Wir machen unsere Zeitung eigentlich wie immer. Seit 1987 geht es seinen Gang. Kennen Sie eigentlich unser Geheimnis: Die Knechte machen hier doch alle was sie wollen. Dass dabei noch jedes Mal ein Ergebnis herauskommt, genug Futter für alle abfällt, liegt sicher auch an der großen Freiheit. Für jeden gibt's da ein Plätzchen auf meiner Wiese und für alle eine Stelle, von der wir niemals fressen. Das ist auf jeder Pferdewiese so. Da wächst in einem Bereich das Gras und Unkraut doch deutlich höher, weil da die ganze Herde hinstrullt.

Eine andere Herde wird auch immer größer. Was hat Asmodee in letzter Zeit nicht alles zugekauft. Der größte Coup auf unserer hiesigen Wiese ist, dass auch Heidelberger zu deren Herde gehört. Das war abzusehen, nachdem Fantasy Flight Games bereits an Asmodee gegangen und damit Heidelberger als Fantasy Flights Vertriebspartner überflüssig geworden ist. Ob's noch weiter geht? … mit der Konzentration? International ist da sicher noch was für Asmodee drin.

Nach den vielen Todesfällen im letzten Jahr ist kurz vor Jahresende ein weiteres Urgestein verstorben. Hajo Bücken ist Ende 2016 gestorben. Gerade in den Anfangsjahren der Szene war Hajo Bücken mit seiner „Arbeitsstelle für neues Spielen“ präsent, als kooperative Spiele unter Pädagogen gerade hoch im Kurs standen und es Herder Spiele noch gab. Für meine Knechte war Hajo Bücken damals eher ein Exot, denn kooperative Spiele waren noch gar nix für echte Spieler. Ich erinnere mich an schräge Partien DIKTATOR und PALAVER, mehr Streit als Harmonie. Und aus Hajo Bückens Würfelspiel KETTEN WETTEN wurde bei Ravensburger das gute AUSBRECHER AG.

Und bei Drucklegung erreichte uns noch eine traurige Nachricht. Mit Ferdinand de Cassan ist ein echter Wegbereiter gestorben. In Österreich hat er Maßgebliches bewirkt und nicht nur dort viele Spuren hinterlassen.

Auf meiner Wiese stellt sich die Frage: Wie geht es ohne Herbert Heller weiter? Meine Knechte haben sich bei Kälte, Eis und Schnee extra deshalb getroffen. Mit dabei: die schottischen Hochlandrinder Birte und Berta. Als würde ich das konspirative Redaktionstreffen nicht mitbekommen. Birte und Berta sind natürlich über das weltweite Wiesennetz mit mir vernetzt. Ich weiß jetzt alles: Von der Lauben-Alpen-Skihütte nur ohne Ski, aber mit Filzpantoffeln. Vom organischen Wachstum der Hütte, erbaut aus Nix, aber mit ganz viel Liebe zum Detail. Erst fiel der Strom aus, am nächsten Morgen sämtliche Wasserversorgung und abends auch noch die sehr individuelle Beheizung des Stalls. Und wenn die Indoor-Gasbrenner liefen, war es unten eiskalt und oben Sauna. Ideal für einen Stall, nur dass ich unter meinen Hufen noch wärmenden Mist habe. Ist trotzdem gut gewesen. Das Treffen, nicht die Unterkunft.

Kathrin Nos ist jetzt Chefin vom Dienst und Wolfgang Friebe ist Chefredakteur. Also, alles beim Alten, es ändert sich nix, aus Raider wurde auch nie Twixt. Jedenfalls nicht solange ich hier das Regiment führe. Nur die Adresse der Redaktion ist neu.

Ihr einzig wahrer Hengst auf den World weiten Wiesen

Harry

Kasten

Neu Redaktionsadresse: Wolfgang Friebe, Münnichweg 73b, 48167 Münster


Donnerstag, 30. März 2017

Fairplay 119 - April bis Juni 2017

Reportagen und Berichte
  • Nürnber 2017 Messerundgang
  • Schein oder heilig? Luther und Ablasshandel
  • Peter Janshoff
  • Fluchtzimmer Escape- und Exitspiele
Kritiken
  • Ein Fest für Odin
  • Flick ‘em up
  • Räuber der Nordsee
  • Kingdomino vs NMBR9
  • Das Orakel von Delphi
  • Icecool
  • Word Slam
  • Die Kolonisten
  • Rhodes
  • First Class
  • Skyway Robbery
  • Jolly & Roger
  • Yangtze
Interviews
  • Kullerhexe: Hexe und Waldwichtel über Kullerhexe
Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Rückblick
  • Fairplay 40
  • First Food: Clubs, Mein Traumhaus, Saboteur - Das Duell, The Walking Pet, Caramba, Twenty One, Deja Vu, Pungi, Crazy Race
  • Fast Food: Carcassonne Amazonas, Mino & Tauri
  • Nachschlag: 7 Wonders Duel - Pantheon
  • Kinderportion: Fette Ernte
  • à la carte - Spezial: Im Schatten des Throns, Gämsh Alpin
  • à la carte: Tembo, Tenno, Tempel des Schreckens, Pairs, Arrass, Speemo, Turn A Round
  • Wir spielen gern ...
  • Preisrätsel: Schach für Solisten
  • Bestenliste
  • Noten